Wie hat sich das Hahnenkammrennen die letzten Jahr-zehnte verändert? Welche Technologien haben sich dabei besonders positiv bewährt?
Dr. Huber: In den Anfängen musste man die Piste noch mit viel körperlicher Arbeit händisch bearbeiten. So wurde die Piste früher vom Bundesheer eben „getretelt“ und zum Vereisen mit Eisenstangen gelöchert und mit Wasswe gefüllt, damit diese auch 60 Fahrer lang hält. Erfindungen wie der Vereisungsbalken haben die Arbeit zwar erleichtert, aber revolutioniert wurde die Präparation in den 60er Jahren durch die Pistenraupen. Als dann in den 90er Jahren auch noch die Winde für die Pistenraupen erfunden wurde, konnten auch die steilsten Streckenabschnitte maschinell präpariert werden.
Seit 1991 ist der neue Vorstand im Amt und die Veränderungen der letzten 15 Jahre waren so umfangreich wie in den 30 Jahren davor. Dabei entfällt wahrscheinlich 50% auf Innovationen im Infrastrukturbereich der Zuschauer.
Letztes Jahr mussten die Rennen ja leider wegen den zu heftigen Schneefällen teilweise abgesagt werden. Ist das Hahnenkammrennen eigentlich bei zu geringer Schneelage überhaupt noch gefährdet oder reicht schon die künstliche Beschneiung aus, um das Rennen zu veranstalten?
Dr. Huber: Also wir bleiben nach wie vor 100% von der Natur abhängig. Entweder wir haben genug Schnee oder wir haben Schnee und/oder maschinell erzeugten Schnee. Zehn Tage vor dem Rennen wird dann die Piste von einem FIS Kontrolleur vom Start bis ins Ziel mit Probebohrungen auf die Verfassung hin überprüft. Im Ziel entsteht jedes Jahr das schon traditionelle Bild des Kontrolleurs mit dem Bohrer, welches dann durch alle Medien geht.
Wenn ein Rennen so wie im letzten Jahr abgesagt werden muss, welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat das auf die Sponsoren bzw. auf den KSC? Kann man sich gegen einen Ausfall versichern?
Dr. Huber: Grundsätzlich gibt es den materiellen bzw. den inmateriellen Schaden, welcher sich mittelfristig bemerkbar macht. Basisschäden sind derzeit mit ca. 25% versicherbar. Inmaterielle Schäden wie dass die Kitzbüheler bei jedem Wetter fahren und dass kein Siegerbild durch die Presse um die Welt geht, sind natürlich nicht be-zifferbar.
Wann fangen eigentlich die Vorbereitungsarbeiten für das Rennen so richtig an?
Dr. Huber: 10 % der Arbeit beginnen schon 3 Jahre vorher. 40 % fangen am Tag nach dem Rennen an und dauern dann ca. bis Ende des Sommers. 50 % der Arbeiten fangen Anfang Dezember an.
Wie viele Personen sind an der Organisation und Durchführung der Rennen beteiligt?
Dr. Huber: Unmittelbar und mittelbar sind schon 35-40 Firmen an der Durchführung beteiligt, was dann ca. 1100-1200 Personen ausmacht. Allein Bundesheer und Polizei sind mit fast 200 Personen vertreten.
Wie haben sich die Sicherheitsrichtlinien in den letzten Jahren verändert?
Dr. Huber: Laut soziologischen Studien gehören Skisportfeste zu den friedlichsten überhaupt, während Fußball zu den eher gefährlichen gehört. Für uns wie auch für die Besucher stehen die Freude am Sport und das Fest danach im Vordergrund. Wir in Kitzbühel waren in Punkto Sicherheit immer Vorreiter. Ereignisse wie am Bergisel vor einigen Jahren bringen uns aber sehr wohl dazu, nachzudenken und alles zu hinterfragen.
Wer ist für Sie heuer der größte Favorit für die Rennen auf der Streif und am Ganslanhang?
Dr. Huber: Vor den Rennen in Gröden, Beavers-creek und Vales ist das sehr schwer zu sagen. Meier hat zum Saisonauftakt schon gezeigt, dass er gut „beisammen“ ist, aber auch Bode Miller ist in Topform. Wir alle fiebern immer besonders bei der Wengenabfahrt mit, da dieses Rennen unmittelbar vor unserem stattfindet und sich da am Besten zeigt, wer in Topform ist.
Das Hahnenkammrennen wird in den Medien oft als „Ballermann der Alpen“ bezeichnet. Welche Maßnahmen werden heuer getroffen, um vor allem die wilden Alkoholex-zesse noch besser unter Kontrolle zu bringen?
Dr. Huber: Das sind so typische Schickimicki- Medien, die alle Orte durch den Kakao ziehen. Diese Berichte wie im TV sind eine modische Erscheinung, über denen wir darüber stehen. Das Hahnenkammrennen gehört zu den traditionellsten Rennen und es haltet sich 50/50 die Waage zwischen dem sportlichen Event und dem Fest danach. Es liegt seit jeher in der Natur des Menschen, derartige Elemente zu verbinden, denken Sie etwa an die Olympischen Spiele oder Ritterturniere im Mittelalter.
Wann dürfen wir uns wieder auf einen Sieger aus Kitzbühel freuen? Welche Nachwuchstalente stehen beim KSC auf der Warteliste, um in die Fußstapfen eines Toni Sailers zu treten?
Dr. Huber: Seit Hansi Hinterseer gab es leider keinen Topskiläufer aus dem Kader des KSC. Es wird aber immer wieder darauf vergessen, dass einige der weltbesten nordischen Sportler aus Kitzbühel kommen und schon so mache Olympia- oder WM-Medaille geholt haben, so z.B. Markus Gandler, Alois Stadlober oder David Kreiner! Für den Nachwuchs bei den Alpinen steht das Projekt mit dem Streifalmlift und einer eigenen Rennstrecke an oberster Stelle, damit auch regelmäßig trainiert werden kann.
Welche Pisten in Kitzbühel mögen Sie am liebsten?
Dr. Huber: Mein Arbeitsberg ist der Hahnenkamm und da fahr ich die Streif natürlich am liebsten. Sonst geh ich sehr gern auf das Horn skifahren, da hab ich dann nicht so das Gefühl zu arbeiten.
Welche Ereignisse vor oder während der Renntage sind bei Ihnen in bleibender Erinnerung geblieben?
Dr. Huber: Der Steff Sieg 2004! Das war einfach nur der Wahnsinn. Es hat einfach alles gepasst. Kaiserwetter, frisch verschneite Landschaft und sehr viele Sportbegeisterte. Am Samstag sind wir vorher noch das Sprintrennen bis zur Gschößwiesen gefahren und haben dann gleich die Rennläufer wieder mit Pistenraupen zum Start für das Rennen gebracht. In den 15 Jahren, in denen ich bisher für den KSC tätig war, war das am Besten!
Welche Rennläufer haben Sie die letzten Jahre am meisten beeindruckt bzw. welche Skirennläufer bewundern Sie besonders?
Dr. Huber: Ingeborg Stenmark hat mich sehr beeindruckt, war aber nur einmal in Kitzbühel dabei. In der Früh, kann ich mich erinnern, hat er seine Ski bei seinem Hotel geschultert und ist zur Rennstrecke gegangen. Ein sehr ruhiger Typ und ein beeindruckender Sportler. Die aktuellen Rennläufer des ÖSV Kaders sind sowieso ein Wahnsinn. Das Duell Hermann Meier vs. Bode Miller ist auch immer etwas Besonderes und beide sind heuer in Topform. Ach, dann wären da noch Döni, Domba, Giradelli zu nennen. Die Mehr-Brothers mit ihren K2 Ski waren ultra cool und für ihr Lächeln wie in der Zahnwerbung bekannt. Dann waren da ja auch noch die Crazy Canacs.
Vielen Dank Herr Dr. Huber, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben! Wir wünschen Ihnen noch viel Erfolg bei der Durchführung der heurigen Rennen. |