Der Leiter des Finanzamts Kitzbühel/Lienz, Josef Zangerl, will nicht von einer Razzia sprechen. "Das sind laufende Kontrollen, die gibt es schon seit Jahren. Früher wurden sie aber im Amtshilfeverfahren von der KIAB durchgeführt", gibt er sich bedeckt.
Doch im Bezirk Kitzbühel herrscht derzeit vor allem unter Besitzern von Fahrzeugen mit deutschen Kennzeichen helle Aufregung. Denn seit Tagen sind die Steuerfahnder unterwegs, um mögliche Abgabenhinterzieher der Normverbrauchsabgabe auszuforschen.
Die Normverbrauchsabgabe (NoVA) ist eine einmalig zu entrichtende Steuer, die bei erstmaliger Zulassung von Pkw zu entrichten ist. Wer in Österreich seinen Hauptwohnsitz hat, muss sie zahlen. Die Steuer richtet sich nach dem Preis bzw. Wert des Fahrzeuges.
Viele Zweitwohnungsbesitzer
Kitzbühel hat bekanntlich eine besondere Situation mit vielen Freizeitwohnungsbesitzern, die in der Region ihren Hauptwohnsitz angemeldet haben.
Es gibt aber auch viele deutsche Staatsbürger, die überwiegend in Kitzbühel leben, aber nach wie vor ihr Auto in Deutschland angemeldet haben. Aus steuerlichen Gründen. Mit deutschem Kennzeichen ist die NoVA nicht abzuführen. Und die kann schon einmal 14.000 Euro betragen.
In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche Fahrzeuge mit deutschen Nummerntafeln, die länger bzw. immer wieder vor Wohnungen oder Häusern abgestellt wurden, von Finanzbeamten ins Visier genommen.
"Danach beginnt für uns erst die mühevolle Arbeit. Es geht vorrangig darum, herauszufinden, ob der deutsche Besitzer den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen im Bezirk hat. Wenn ja, muss er zahlen", erklärt Zangerl.
Informationen zufolge wurden in den vergangenen Jahren Hunderte Fälle von NoVA-Hinterziehung aufgedeckt. Zangerl spricht alleine von jährlich zwei Dutzend im Bezirk.
Problem Schwarzgeld
Kaum Möglichkeiten haben die Steuerfahnder, wenn es sich um unversteuertes Vermögen handelt, das in Immobilienkäufe im Raum Kitzbühel investiert wurde - um offizielle und inoffizielle Kaufpreissummen, die sich dann auf die Steuerbemessung auswirken.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Schwarzgeldzahlungen durchaus üblich sind.
Von Peter Nindler
Quelle: tirol.com |