Für den Bürgermeister ein Gelegenheitskauf, für den Immobilienexperten eine überteuerte Fehlinvestition: Der Kauf eines Berggasthauses durch die Stadt Kitzbühel Ende letzten Jahres war, wie jetzt bekannt wurde, alles andere als ein Schnäppchen: Immobilienmakler Manfred Hagsteiner schätzt das desolate Anwesen auf "600.000 Euro, maximal 700.000 Euro".
Die Stadt bezahlte für den "Alpengasthof Einsiedelei" 1,1 Millionen Euro plus Nebenkosten. Oder anders ausgedrückt: umgerechnet auf einen Quadratmeter Grund rund 1500 Euro.
"Und das auf mehr als 1000 Metern Höhe und im Freiland", sagt Kitzbühels Baustadtrat Reinhardt Wohlfahrtstätter von der SPÖ. Makler Hagsteiner schließt sich an: "Völlig überteuert!"
Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler erklärte in der Stadtzeitung die Gründe für den Kauf: Einerseits sei es die "wahrscheinlich letzte Möglichkeit", es zu kaufen; andererseits hätten die Verkäufer "bereits einen potenziellen Käufer gefunden, der dieselbe Summe zu zahlen bereit war".
Der ominöse Käufer soll ein Kitzbüheler Bauträger sein, der am Mittwoch nicht zu erreichen war. Er habe, heißt es, sich das Alpengasthof Einsiedelei zu einem Alterswohnsitz umbauen wollen.
Ein Alterswohnsitz, der im Winter häufig nur mit einem Schneemobil zu erreichen ist. Und der im Hochwinter - da nordseitig - die Sonne nur minutenweise zu Gesicht bekommt.
Hagsteiner rätselt über die plötzliche Eile, mit der die Gemeinde zuschlug: "Ich habe das Objekt seit 1989 immer wieder im Angebot." Damals hätte der Verkäufer sich einen Preis von neun Millionen Schillingen (rund 650.000 Euro) vorgestellt gehabt, was Hagsteiner für überteuert hielt.
"D'rum wollt's auch niemand kaufen." 1989 habe er einen Preis von fünf Millionen Schillingen (rund 360.000 Euro) für realistisch gehalten.
Die Gemeinde will ihre Jausenstation nun beleben. Erste Idee: eine Rodelhütte.